Rotlichttherapie Nebenwirkungen: Was du wissen solltest
Medizinischer Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Rotlichttherapie (Photobiomodulation) ist kein Ersatz für eine medizinische Behandlung. Bei bestehenden Erkrankungen, der Einnahme von Medikamenten oder Schwangerschaft sprich bitte vor der Anwendung mit deinem Arzt.
Die gute Nachricht zuerst: LED-Rotlichttherapie ist bemerkenswert sicher
Wenn du dich fragst, ob Rotlichttherapie Nebenwirkungen hat, können wir dich beruhigen: LED-basierte Photobiomodulation (PBM) gehört zu den sichersten nicht-invasiven Therapieformen überhaupt.
Eine systematische Übersichtsarbeit von Jagdeo et al. (2012, Safety of light emitting diode-based phototherapy, Journal of the American Academy of Dermatology) analysierte die gesamte verfügbare Literatur zu LED-basierter Therapie und kam zu dem Ergebnis, dass keine schwerwiegenden Nebenwirkungen dokumentiert sind. Die Autoren bewerteten LED-PBM als “sicher für den klinischen und häuslichen Gebrauch”.
Auch Hamblin (2017, Mechanisms and applications of the anti-inflammatory effects of photobiomodulation, AIMS Biophysics) bestätigt in seiner umfassenden Übersichtsarbeit das sehr gute Sicherheitsprofil. Die Schlüsselaussage: Im Gegensatz zu UV-Licht verursacht Rotlicht und Nahinfrarot keine DNA-Schäden, keine Hautschäden und kein erhöhtes Krebsrisiko.
Das bedeutet nicht, dass es gar nichts zu beachten gibt. Es gibt milde Nebenwirkungen und bestimmte Situationen, in denen Vorsicht geboten ist. Lass uns das im Detail anschauen.
Bekannte milde Nebenwirkungen
Vorübergehende Hautrötung
Nach einer Rotlichtbehandlung kann die Haut im bestrahlten Bereich leicht gerötet sein. Das ist eine normale Reaktion — die erhöhte Durchblutung ist sogar Teil des gewünschten Effekts. Die Rötung klingt in der Regel innerhalb von 30 Minuten vollständig ab.
Wann aufpassen? Wenn die Rötung länger als eine Stunde anhält oder mit Schmerzen verbunden ist, hast du möglicherweise zu lange oder zu nah bestrahlt. Reduziere beim nächsten Mal die Behandlungszeit oder erhöhe den Abstand.
Leichte Kopfschmerzen
Einige Anwender berichten gelegentlich über leichte Kopfschmerzen nach der Behandlung, besonders bei Anwendung im Gesichts- oder Stirnbereich. Die häufigste Ursache ist Flicker (Flackern) des Geräts — dazu weiter unten mehr.
Was hilft? Behandlungszeit reduzieren, Abstand vergrößern, bei wiederholtem Auftreten das Gerät auf Flicker prüfen. Manche Anwender sind empfindlicher als andere — das ist normal und kein Grund zur Sorge.
Wärmegefühl
Rotlicht-LEDs erzeugen eine leichte Wärme auf der Haut. Das ist normal und nicht gefährlich — allerdings sollte sich die Behandlung nie unangenehm heiß anfühlen. Falls doch, ist der Abstand zum Gerät zu gering oder die Behandlungszeit zu lang.
Wichtig: LED-basierte Geräte erzeugen deutlich weniger Wärme als klassische Infrarotlampen mit Glühbirne. Eine gewisse Wärme ist bei allen Lichtquellen normal.
Augensensitivität
Die LEDs in Rotlichtpanels sind sehr hell. Direkter Blick in die LEDs kann die Augen belasten, auch wenn Rotlicht und Nahinfrarot die Netzhaut weniger schädigen als UV- oder blaues Licht.
Klare Empfehlung: Trage bei jeder Anwendung, bei der du in Richtung der LEDs schaust (besonders Gesichtsbehandlung), eine geeignete Schutzbrille. Die meisten hochwertigen Panels werden mit einer Schutzbrille geliefert. Bei Nahinfrarot (850nm) ist besondere Vorsicht geboten, da dieses Licht für das menschliche Auge nahezu unsichtbar ist — du merkst also nicht, wie hell es tatsächlich ist.
Wann besondere Vorsicht geboten ist
Photosensibilisierende Medikamente
Bestimmte Medikamente erhöhen die Lichtempfindlichkeit der Haut. Wenn du eines der folgenden Medikamente einnimmst, sprich vor der Anwendung von Rotlichttherapie mit deinem Arzt:
- Tetracycline (Antibiotika wie Doxycyclin, Minocyclin)
- Retinoide (Isotretinoin/Accutane, Tretinoin)
- Bestimmte NSAIDs (z. B. Naproxen, Piroxicam)
- Amiodaron (Herzmedikament)
- Hydrochlorothiazid (Blutdrucksenker)
- Johanniskraut (pflanzliches Antidepressivum)
Diese Medikamente können dazu führen, dass die Haut empfindlicher auf Licht reagiert. Studien deuten darauf hin, dass das Risiko bei LED-Rotlicht geringer ist als bei UV-Exposition, aber die Datenlage ist nicht ausreichend für eine pauschale Entwarnung.
Schwangerschaft
Es gibt keine ausreichenden Studien zur Sicherheit von Photobiomodulation während der Schwangerschaft. Aus dem Vorsorgeprinzip empfehlen die meisten Hersteller und Mediziner:
- Vermeidung der direkten Anwendung am Bauchbereich
- Gesichtsbehandlung gilt allgemein als unbedenklich, aber sprich auch hier vorher mit deiner Ärztin
- Im Zweifelsfall: Anwendung pausieren bis nach der Stillzeit
Schilddrüsenerkrankungen
Bei Erkrankungen der Schilddrüse (Hashimoto-Thyreoiditis, Morbus Basedow) ist Vorsicht bei der Bestrahlung des Halsbereichs angebracht. Es gibt Studien, die darauf hindeuten, dass PBM die Schilddrüsenfunktion beeinflussen kann (Höfling et al., 2013, Assessment of the effects of low-level laser therapy on the thyroid vascularization of patients with autoimmune hypothyroidism by color Doppler ultrasound, ISRN Endocrinology). Das kann je nach Erkrankung erwünscht oder unerwünscht sein — kläre das mit deinem Endokrinologen.
Aktive Krebserkrankungen
Bei einer bestehenden Krebserkrankung solltest du vor der Anwendung von Rotlichttherapie unbedingt deinen Onkologen konsultieren. Der Grund: PBM fördert die Zellaktivität und Durchblutung — und es ist nicht abschließend erforscht, wie sich das auf Tumorzellen auswirkt.
Wichtig: Es gibt keine Hinweise darauf, dass LED-Rotlicht Krebs verursacht. Es enthält keine UV-Strahlung und keine ionisierende Strahlung. Die Vorsicht bezieht sich ausschließlich auf die Anwendung bei bereits bestehenden Tumoren.
Epilepsie
Menschen mit Epilepsie oder erhöhter Empfindlichkeit gegenüber Lichtreizen sollten vorsichtig sein, besonders bei Geräten mit Flicker. Gepulste Modi, die bei einigen Panels verfügbar sind, können bei empfindlichen Personen Anfälle auslösen. Sprich vorher mit deinem Neurologen.
EMF-Strahlung: Was es ist und warum es erwähnt werden muss
Jedes elektronische Gerät erzeugt elektromagnetische Felder (EMF). Bei Rotlichtpanels ist das relevant, weil du dich in unmittelbarer Nähe (15-30 cm) zum Gerät befindest und das über Minuten hinweg.
Was sagt die Wissenschaft?
Die Grenzwerte für EMF-Exposition liegen bei 100 µT (laut ICNIRP). Hochwertige Rotlichtpanels liegen typischerweise bei 0,2-1,0 µT bei Behandlungsabstand — also weit unter den Grenzwerten. Günstigere Geräte können höhere Werte aufweisen.
Worauf du achten solltest
- Herstellerangaben prüfen: Seriöse Hersteller geben EMF-Werte bei definiertem Abstand an
- Unter 1 µT bei 15 cm gilt als gut, unter 0,5 µT als sehr gut
- Wenn du EMF-empfindlich bist oder auf Nummer sicher gehen willst, wähle ein Gerät mit niedrigen EMF-Werten
Flicker: Warum manche Geräte Kopfschmerzen auslösen
Flicker bezeichnet das Flackern der LEDs, das durch die elektronische Ansteuerung entsteht. Bei hochwertigen Geräten arbeiten die LED-Treiber mit so hoher Frequenz, dass das Flackern für das menschliche Auge und Gehirn nicht wahrnehmbar ist.
Bei günstigeren Geräten kann Flicker jedoch unterhalb der bewussten Wahrnehmung liegen und trotzdem Kopfschmerzen, Übelkeit oder Unwohlsein auslösen — besonders bei empfindlichen Personen.
Wie erkennst du Flicker?
Ein einfacher Selbstversuch: Halte die Smartphone-Kamera auf das eingeschaltete Panel und filme in Zeitlupe. Wenn du deutliches Flackern siehst, hat das Gerät ein Flicker-Problem. Premium-Panels zeigen bei diesem Versuch kein oder kaum wahrnehmbares Flackern.
Was Rotlichttherapie NICHT macht
Um Missverständnisse auszuräumen — LED-basierte Rotlichttherapie:
- Enthält keine UV-Strahlung — kein Sonnenbrand, kein erhöhtes Hautkrebsrisiko
- Ist keine ionisierende Strahlung — kein Vergleich mit Röntgen oder Radioaktivität
- Verursacht keine Verbrennungen bei empfohlener Anwendung — LEDs erzeugen moderate Wärme, aber keine gefährlichen Temperaturen
- Erzeugt keine Abhängigkeit — du kannst die Anwendung jederzeit pausieren oder beenden ohne Entzugserscheinungen
- Schädigt die Haut nicht — im Gegenteil: Studien deuten darauf hin, dass PBM die Kollagenproduktion und Wundheilung unterstützen kann (Wunsch & Makredes, 2014, Photomedicine and Laser Surgery)
Sichere Anwendung: Die wichtigsten Regeln
- Schutzbrille tragen — besonders bei Gesichtsbehandlung und Nahinfrarot
- Herstellerangaben beachten — empfohlener Abstand und Behandlungszeit einhalten
- Langsam starten — beginne mit kürzeren Sitzungen (5 Minuten) und steigere schrittweise
- Auf deinen Körper hören — Rötung nach 30 Min. nicht abgeklungen? Kopfschmerzen? Dosis reduzieren
- Medikamente checken — bei photosensibilisierenden Medikamenten vorher Arzt fragen
- Bei Erkrankungen: Arzt konsultieren — besonders bei Krebs, Schilddrüsenerkrankungen, Epilepsie
- Schwangerschaft: Vorsorgeprinzip — im Zweifelsfall pausieren
Fazit: Sehr sicher, aber nicht ohne Regeln
LED-basierte Rotlichttherapie hat ein ausgezeichnetes Sicherheitsprofil. Die dokumentierten Nebenwirkungen sind mild und vorübergehend. Schwerwiegende Komplikationen sind in der wissenschaftlichen Literatur nicht bekannt.
Trotzdem ist es wichtig, die Grundregeln zu befolgen: Schutzbrille tragen, Herstellerangaben einhalten, bei Vorerkrankungen oder Medikamenteneinnahme vorher den Arzt konsultieren. Wer das beherzigt, kann Rotlichttherapie mit gutem Gewissen in seine Routine integrieren.
Du möchtest mehr über die Wirkungsweise erfahren? Dann lies unseren ausführlichen Ratgeber Wie funktioniert Rotlichttherapie?. Wenn du dich für ein Gerät entscheiden möchtest, hilft dir unsere Kaufberatung: Worauf du achten musst.