Rotlichttherapie bei Narben: So unterstützt Licht die Heilung
Medizinischer Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich der Information und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Narben können auf ernsthafte Verletzungen oder Erkrankungen zurückgehen. Konsultiere bei gesundheitlichen Fragen immer deinen Arzt — besonders bei Keloiden, großflächigen Narben oder Narben nach Operationen.
Narben erzählen Geschichten — aber nicht jeder möchte sie dauerhaft sichtbar tragen. Ob OP-Narbe, Aknenarbe oder Verletzungsnarbe: Viele Menschen suchen nach Möglichkeiten, das Erscheinungsbild ihrer Narben zu verbessern. Rotlichttherapie (Photobiomodulation) ist ein Ansatz, der in den letzten Jahren zunehmend wissenschaftlich untersucht wird. Wir fassen zusammen, was die Studienlage sagt — realistisch und ohne überzogene Versprechen.
Wie entstehen Narben?
Um zu verstehen, wie Rotlicht bei Narben helfen kann, hilft ein kurzer Blick auf die Narbenbildung selbst.
Wenn die Haut verletzt wird — durch einen Schnitt, eine Verbrennung, Akne oder eine Operation — setzt der Körper einen mehrstufigen Heilungsprozess in Gang:
- Entzündungsphase (Tag 1—7): Der Körper stoppt die Blutung und bekämpft Keime. Es kommt zu Rötung, Schwellung und Wärme.
- Proliferationsphase (Tag 7—21): Neue Zellen werden gebildet. Fibroblasten produzieren Kollagen, um die Wunde zu verschließen. Das dabei entstehende Gewebe ist allerdings nicht so geordnet wie die ursprüngliche Haut.
- Remodellierungsphase (Monat 1—24): Das ungeordnete Kollagen wird über Monate hinweg umgebaut und reorganisiert. In dieser Phase entscheidet sich, wie die endgültige Narbe aussieht.
Eine Narbe entsteht, weil das neue Kollagen in der Regel dichter und ungeordneter als normales Hautkollagen ist. Narbengewebe enthält zudem keine Haarfollikel, Schweißdrüsen oder Talgdrüsen. Deshalb sieht es anders aus als die umgebende Haut — glatter, glänzender und oft heller oder dunkler.
Wie kann Rotlicht die Narbenheilung unterstützen?
Die Photobiomodulation (PBM) setzt an mehreren Punkten des Heilungsprozesses an. Die wissenschaftliche Grundlage basiert auf drei Hauptmechanismen:
1. Kollagensynthese anregen
Studien deuten darauf hin, dass Rotlicht die Aktivität von Fibroblasten steigern kann — jenen Zellen, die für die Kollagenproduktion verantwortlich sind. Wunsch & Makredes (2014, A controlled trial to determine the efficacy of red and near-infrared light treatment, Photomedicine and Laser Surgery) zeigten in ihrer kontrollierten Studie, dass regelmäßige Rotlichtbehandlung die Kollagendichte in der Haut signifikant erhöhen kann.
Für Narben bedeutet das: PBM kann die Remodellierungsphase unterstützen, in der ungeordnetes Narbenkollagen zu besser organisiertem Gewebe umgebaut wird. Das Ergebnis kann eine weichere, flachere und weniger auffällige Narbe sein.
2. Entzündung reduzieren
Chronische Entzündungen können die Narbenbildung verschlechtern und zu überschießender Narbenbildung führen. Hamblin (2017, Mechanisms and applications of the anti-inflammatory effects of photobiomodulation, AIMS Biophysics) beschreibt, wie PBM die Freisetzung entzündungsfördernder Zytokine hemmen und entzündungshemmende Mediatoren fördern kann.
Eine kontrollierte Entzündungsreaktion ist entscheidend für eine gute Narbenbildung. PBM kann dazu beitragen, dass die Entzündungsphase weder zu kurz noch zu lang ausfällt.
3. Durchblutung verbessern
Rotlicht kann die lokale Durchblutung anregen, unter anderem durch die Freisetzung von Stickstoffmonoxid (NO). Eine verbesserte Durchblutung bedeutet mehr Sauerstoff und Nährstoffe für die heilenden Zellen — und einen effizienteren Abtransport von Abfallprodukten.
Narbenarten und Prognose mit PBM
Nicht alle Narben sind gleich, und die Aussichten mit Rotlichttherapie variieren je nach Art und Alter der Narbe.
Frische Narben (unter 6 Monate)
Bei frischen Narben, die sich noch in der aktiven Remodellierungsphase befinden, sind die Aussichten am besten. Der Kollagenumbau ist noch in vollem Gange, und PBM kann diesen Prozess unterstützen. Studien deuten darauf hin, dass eine frühzeitige Anwendung (nach Wundschluss) die Narbenqualität positiv beeinflussen kann.
Ältere Narben (über 12 Monate)
Auch bei älteren Narben ist eine Verbesserung möglich, allerdings sind die Prozesse langsamer. Das Kollagen in alten Narben ist bereits stabil vernetzt. PBM kann dennoch die Remodellierung anregen, doch die Ergebnisse fallen in der Regel weniger deutlich aus als bei frischeren Narben. Geduld und Konsequenz sind hier besonders wichtig.
Hypertrophe Narben und Keloide
Wichtig: Konsultiere bei hypertrophen Narben oder Keloiden unbedingt einen Arzt! Diese Narbenformen entstehen durch überschießende Kollagenproduktion. Die Studienlage zu PBM bei Keloiden ist noch begrenzt, und eine unkontrollierte Stimulation der Kollagenproduktion könnte theoretisch kontraproduktiv sein. Ein Dermatologe kann beurteilen, ob PBM in deinem Fall sinnvoll ist.
Aknenarben
Aknenarben gehören zu den am häufigsten untersuchten Narbenformen im Zusammenhang mit PBM. Die Studienlage ist vielversprechend: Rotlicht kann sowohl die atrophischen (eingesunkenen) als auch die entzündlichen Komponenten von Aknenarben adressieren. Lee et al. (2007, A prospective, randomized, placebo-controlled, double-blinded, and split-face clinical study on LED phototherapy for skin rejuvenation, Journal of Photochemistry and Photobiology B) beobachteten Verbesserungen der Hautstruktur durch LED-Behandlung.
OP-Narben
Bei Narben nach operativen Eingriffen gilt: Erst nach vollständigem Wundschluss beginnen und vorher den Arzt fragen. In der Regel ist PBM ab 2—4 Wochen nach einer OP möglich. Studien deuten darauf hin, dass frühzeitige PBM-Anwendung nach Wundschluss die Narbenbildung positiv beeinflussen kann.
Anwendungsprotokoll für Narben
Wellenlänge
Für Narben ist 660 nm die primäre Wellenlänge, da die relevanten Prozesse in den oberen Hautschichten (Epidermis und Dermis) stattfinden. Eine Kombination mit 850 nm kann bei tieferen Narben oder begleitenden Entzündungen im tieferliegenden Gewebe zusätzlich unterstützen.
Dauer und Dosis
- Empfohlene Dosis: 3—6 J/cm² pro Sitzung
- Dauer: Bei einem Gerät mit 50 mW/cm² entspricht das etwa 1—2 Minuten pro Narbenstelle. Bei 100 mW/cm² reichen 30—60 Sekunden.
- Abstand: 5—15 cm, um die betroffene Stelle gezielt zu bestrahlen
Frequenz
- Empfohlen: 4—5 Mal pro Woche
- Mindestdauer: 8—12 Wochen für erste sichtbare Ergebnisse
- Für deutliche Verbesserungen: 3—6 Monate konsequente Anwendung
Geeignete Geräte
Für die gezielte Narbenbehandlung eignen sich besonders:
- Kompakte Spotgeräte (z. B. Morfone Handgerät) — ideal für einzelne Narben, die du punktgenau bestrahlen kannst
- LED-Gesichtsmasken (z. B. INIA LED-Maske) — perfekt für Aknenarben und Narben im Gesichtsbereich, da die gesamte Fläche gleichmäßig bestrahlt wird
- Mini-Panels (z. B. HoTToeRaK 60-LED-Panel) — flexibel einsetzbar für Narben am Körper
Realistische Erwartungen: Was PBM kann und was nicht
Ehrlichkeit ist wichtig: Rotlichttherapie kann Narben nicht vollständig entfernen. Kein Licht der Welt verwandelt Narbengewebe zurück in perfekte, unversehrte Haut. Was PBM nach aktuellem Forschungsstand unterstützen kann:
- Narben weicher und flacher machen
- Die Farbe (Rötung oder Hyperpigmentierung) verbessern
- Die Textur glätten
- Den Umbau von ungeordnetem zu besser organisiertem Kollagen fördern
Die Ergebnisse variieren von Person zu Person. Faktoren wie Genetik, Narbenalter, Narbentyp und Konsequenz der Anwendung spielen eine Rolle. Manche Menschen sehen nach wenigen Wochen deutliche Verbesserungen, bei anderen ist der Prozess langsamer.
Kombination mit anderen Maßnahmen
Rotlichttherapie kann Teil eines umfassenden Narbenmanagements sein. Folgende Maßnahmen können ergänzend sinnvoll sein:
- Sonnenschutz: UV-Strahlung kann Narben dunkler verfärben. Konsequenter Sonnenschutz (LSF 50+) auf Narben ist essenziell — besonders bei frischen Narben.
- Narbenmassage: Sanftes Massieren der Narbe kann die Durchblutung fördern und das Kollagen lockern. Erst nach vollständigem Wundschluss beginnen.
- Silikon-Pflaster oder -Gel: Studien zeigen, dass Silikonprodukte die Narbenbildung verbessern können, besonders bei hypertrophen Narben. Die Kombination mit PBM ist problemlos möglich.
- Feuchtigkeit: Gut durchfeuchtete Haut heilt besser. Narbenpflege-Cremes können unterstützend wirken.
Fazit
Die Studienlage deutet darauf hin, dass Rotlichttherapie die Narbenheilung über mehrere Mechanismen unterstützen kann — von der Kollagensynthese über Entzündungshemmung bis zur verbesserten Durchblutung. Die besten Aussichten bestehen bei frischeren Narben, aber auch ältere Narben können von regelmäßiger Anwendung profitieren.
Entscheidend sind Geduld und Konsequenz. Narbenumbau ist ein langsamer biologischer Prozess, und PBM unterstützt diesen Prozess — sie beschleunigt ihn nicht auf magische Weise. Plane mindestens 8—12 Wochen ein, bevor du Ergebnisse bewertest.
Wenn du mehr über die Wirkungsweise der Photobiomodulation erfahren möchtest, lies unseren Artikel Wie funktioniert Rotlichttherapie?. Für die richtige Dosierung hilft dir unser Anwendungs-Ratgeber weiter. Und wenn du auf der Suche nach einem passenden Gerät bist, schau dir unsere Kaufberatung an.
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