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660nm vs 850nm: Wellenlängen im Vergleich erklärt

Von Redaktion ·

Hinweis: Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Rotlichttherapie ist kein Ersatz für medizinische Diagnose oder Behandlung. Bei gesundheitlichen Beschwerden konsultiere bitte deinen Arzt.

Wenn du dich mit Rotlichttherapie beschäftigst, stößt du schnell auf zwei Zahlen: 660nm und 850nm. Doch was bedeuten diese Wellenlängen genau? Warum sind es ausgerechnet diese beiden? Und welche brauchst du für dein Ziel? In diesem Vergleich erklären wir die Unterschiede verständlich — mit wissenschaftlichem Hintergrund und praktischen Empfehlungen.

Das elektromagnetische Spektrum: Wo steht Rotlicht?

Licht ist elektromagnetische Strahlung. Was wir als Farben wahrnehmen, sind unterschiedliche Wellenlängen — gemessen in Nanometern (nm). Sichtbares Licht reicht von etwa 380 nm (Violett) bis 700 nm (tiefes Rot). Direkt jenseits der sichtbaren Grenze beginnt das Nahinfrarot (NIR), das für unsere Augen unsichtbar ist, aber weiterhin biologisch aktiv sein kann.

Für die Photobiomodulation (PBM) ist ein bestimmter Bereich besonders relevant: das sogenannte optische Fenster des menschlichen Gewebes, das zwischen etwa 600 und 1.100 nm liegt. In diesem Bereich kann Licht am effektivsten in Gewebe eindringen, weil es weder zu stark von Wasser noch von Hämoglobin absorbiert wird.

Innerhalb dieses Fensters stechen zwei Wellenlängen heraus, weil sie besonders gut von Cytochrom-c-Oxidase (CCO) absorbiert werden — dem Enzym in deinen Mitochondrien, das als zentraler Lichtrezeptor der PBM gilt (Hamblin, 2017, Mechanisms and applications of the anti-inflammatory effects of photobiomodulation, AIMS Biophysics). Diese zwei Wellenlängen sind 660 nm und 850 nm.

660nm im Detail: Sichtbares Rotlicht

Was du siehst und spürst

660 nm liegt im sichtbaren Bereich des Lichts. Wenn du ein Rotlichtpanel einschaltest, ist das tiefe, warme Rot, das du siehst, hauptsächlich diese Wellenlänge. Du spürst dabei eine leichte Wärme auf der Haut, die aber nicht mit Infrarot-Wärmekabinen vergleichbar ist — die Energiedichte bei PBM-Geräten ist deutlich geringer.

Eindringtiefe

660 nm dringt etwa 2—3 mm in die Haut ein. Das klingt wenig, ist aber ausreichend, um die Epidermis (Oberhaut) und die obere Dermis (Lederhaut) zu erreichen. Genau dort sitzen die Zellen, die für Kollagenproduktion, Hauterneuerung und Wundheilung verantwortlich sind.

Wirkmechanismus

Wie bei allen PBM-Wellenlängen basiert die Wirkung auf der Absorption durch Cytochrom-c-Oxidase in den Mitochondrien. Hamblin (2017) beschreibt den Mechanismus so: Rotlicht löst Stickstoffmonoxid (NO) von CCO ab, wodurch die mitochondriale Atmungskette effizienter arbeitet und mehr ATP (Adenosintriphosphat) produziert wird. Die Zelle hat mehr Energie für Reparatur- und Regenerationsprozesse.

Stärken von 660nm

  • Hautgesundheit und Anti-Aging: Wunsch & Makredes (2014, A controlled trial to determine the efficacy of red and near-infrared light treatment, Photomedicine and Laser Surgery) zeigten in einer kontrollierten Studie signifikante Verbesserungen bei Hauttextur, Kollagendichte und Reduktion feiner Linien durch regelmäßige Rotlichtbehandlung.
  • Wundheilung: Studien deuten darauf hin, dass 660 nm die Proliferation von Fibroblasten anregen und die Bildung neuer Blutgefäße (Angiogenese) unterstützen kann.
  • Kollagenproduktion: Die oberflächlichen Hautschichten, in denen Kollagen gebildet wird, fallen genau in den Wirkbereich von 660 nm.
  • Akne und Hautunreinheiten: Studien deuten darauf hin, dass rotes Licht entzündungshemmend wirken und die Talgproduktion beeinflussen kann.

Wann 660nm die bessere Wahl ist

Wenn dein Hauptziel in der Hautpflege liegt — sei es Anti-Aging, Narbenverbesserung, Akne oder allgemeine Hautverjüngung — ist 660 nm die wichtigere Wellenlänge. Die Energie kommt dort an, wo sie für Hautzellen am meisten bewirken kann.

850nm im Detail: Unsichtbares Nahinfrarot

Was du siehst und spürst

Hier wird es spannend: 850 nm liegt außerhalb des sichtbaren Spektrums. Wenn ein Gerät ausschließlich bei 850 nm arbeitet, siehst du fast nichts — höchstens ein schwaches, dunkelrotes Glimmen, das von den LEDs selbst stammt. Das Gerät ist trotzdem aktiv. Manche Nutzer sind anfangs irritiert, weil sie denken, das Panel wäre nicht eingeschaltet. Aber das Licht ist da — deine Augen können es nur nicht wahrnehmen.

Eindringtiefe

Hier liegt der entscheidende Unterschied: 850 nm dringt 4—5 cm tief ins Gewebe ein. Das ist ein Vielfaches der Eindringtiefe von 660 nm. Nahinfrarotlicht passiert die Haut weitgehend und erreicht Muskeln, Gelenke, Sehnen, Fettgewebe und teilweise sogar Knochen.

Stärken von 850nm

  • Schmerzlinderung bei Gelenken: Durch die tiefe Eindringung kann 850 nm Entzündungsprozesse in Gelenken beeinflussen. Studien deuten darauf hin, dass NIR-Licht die Freisetzung entzündungsfördernder Zytokine reduzieren kann.
  • Muskelregeneration: Ferraresi et al. (2012, Effects of low-level laser therapy on performance and muscle recovery, Journal of Biophotonics) zeigten in ihrer Studie, dass Nahinfrarotlicht die Muskelregeneration nach Belastung unterstützen und Anzeichen von Muskelkater (DOMS) reduzieren kann.
  • Entzündungshemmung: Die tiefen Gewebeschichten, in denen chronische Entzündungen oft sitzen, sind mit 850 nm erreichbar.
  • Unterstützung bei Sehnenbeschwerden: Sehnen und Bänder liegen tiefer als die Hautoberfläche und profitieren von der größeren Eindringtiefe.

Wann 850nm die bessere Wahl ist

Wenn es dir um Schmerzlinderung, Muskelregeneration, Gelenkgesundheit oder tieferliegende Entzündungen geht, ist 850 nm die entscheidendere Wellenlänge. Das Licht erreicht die Strukturen, die bei diesen Beschwerden betroffen sind.

Die Kombination: Warum die meisten Premium-Geräte beide bieten

In der Praxis ist die Antwort auf die Frage “660 nm oder 850 nm?” meistens: Beide. Die meisten hochwertigen Rotlichtpanels kombinieren beide Wellenlängen in einem Gerät, oft im Verhältnis 50:50.

Der Grund ist einfach: Die Wellenlängen ergänzen sich ideal. 660 nm deckt die oberen Gewebeschichten ab, 850 nm die tiefen. Zusammen entsteht eine Wirkung über das gesamte Gewebeprofil. Du musst dich nicht entscheiden und profitierst von beiden Effekten gleichzeitig.

Einige Geräte erlauben es dir, die Wellenlängen einzeln oder kombiniert zu aktivieren. Das kann sinnvoll sein, wenn du eine Sitzung gezielt auf Hautpflege (nur 660 nm) oder Muskelregeneration (nur 850 nm) ausrichten möchtest. Für die meisten alltäglichen Anwendungen ist der kombinierte Modus aber die einfachste und effektivste Wahl.

Andere Wellenlängen: Kurz erwähnt

Neben 660 nm und 850 nm tauchen in der PBM-Forschung weitere Wellenlängen auf:

  • 630 nm: Ebenfalls sichtbares Rot, etwas weniger Eindringtiefe als 660 nm. In manchen Studien verwendet, aber weniger verbreitet in Heimgeräten.
  • 810 nm: Liegt nahe an 850 nm mit ähnlicher Eindringtiefe. In der klinischen Forschung häufig für neurologische Anwendungen untersucht.
  • 940 nm: Dringt noch tiefer ein als 850 nm, wird aber auch stärker von Wasser im Gewebe absorbiert. In manchen Geräten als dritte Wellenlänge ergänzt.

Für den Heimgebrauch bleiben 660 nm und 850 nm die Standardwellenlängen mit der breitesten wissenschaftlichen Evidenz. Wenn ein Gerät nur eine dieser Wellenlängen bietet, fehlt dir ein Teil des Spektrums. Die Kombination beider ist die vielseitigste Lösung.

Welche Wellenlänge für welches Ziel?

AnwendungszielEmpfohlene WellenlängeWarum?
Anti-Aging & Hautbild660 nm (+ optional 850 nm)Kollagenproduktion findet in der oberen Dermis statt
Akne & Hautunreinheiten660 nmEntzündungshemmende Wirkung in den oberen Hautschichten
Narbenverbesserung660 nm (+ 850 nm bei tiefen Narben)Kollagenremodellierung in der Haut
Gelenkschmerzen850 nm (+ optional 660 nm)Gelenke liegen tief, NIR dringt durch
Muskelregeneration850 nmMuskeln liegen unter der Haut, NIR erreicht sie
Sehnenbeschwerden850 nmSehnen liegen in der Tiefe
Allgemeine Wellness660 nm + 850 nm kombiniertBreiteste Abdeckung aller Gewebeschichten
Wundheilung (oberflächlich)660 nmDirekte Wirkung auf Hautzellen

Fazit: Nicht entweder-oder, sondern sowohl-als-auch

Die Frage “660 nm oder 850 nm?” ist letztlich die falsche Frage. Beide Wellenlängen haben ihre Stärken und ergänzen sich optimal. Wenn du vor dem Kauf eines Geräts stehst, achte darauf, dass es beide Wellenlängen bietet — das ist bei den meisten modernen Panels ohnehin Standard.

Solltest du dich dennoch für eine Wellenlänge entscheiden müssen: Orientiere dich an deinem Hauptziel. Für Haut und Oberfläche: 660 nm. Für Muskeln, Gelenke und Tiefe: 850 nm. Für alles dazwischen: Die Kombination.

In unserem Rotlichtpanel-Vergleich 2026 findest du Geräte mit verschiedenen Wellenlängenkonfigurationen. Wenn du mehr über die grundlegenden Wirkmechanismen erfahren möchtest, lies unseren Artikel Wie funktioniert Rotlichttherapie?. Und für die richtige Dosierung mit deinem Gerät hilft dir unser Anwendungs-Ratgeber weiter.